Rundtour durch Schleswig Holstein

In der letzten Maiwoche war ich in Schleswig-Holstein unterwegs. Dort habe ich die Orte der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen besucht und für den Onlineatlas fotografiert. Finanziell und Organisatorisch wurde ich dabei von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem Landesbeauftragten für Politische Bildung unterstützt.
Die Rundreise hat viel Spaß gebracht, viele Interessante Kontakte ergeben und den Onlineatlas ein gutes Stück weitergebracht.

Wie immer brauchen wir auch noch Spenden: www.betterplace.org/p59750

22.-23.5. Helgoland
Die ersten 2 Tage war ich auf Helgoland. Im Vorfeld hatte ich dort den Kontakt zur Inselbücherei hergestellt. Aufgrund von Ferien und Urlauben ist es leider nicht zu einer Veranstaltung gekommen, trotzdem hat sich der Kontakt sehr gelohnt. Zur Verbrennung in Helgoland ist sehr wenig bekannt und ich hatte bisher keinerlei Quellen außer einem Wikipediaeintrag. Die Bibliothekarin wurde allerdings in einem Buch fündig, welches sie mir heraus legte und welches ich später auch in einem Laden fand und kaufte. Dort ist die Verbrennung detaillierter beschrieben und weitere Quellen sind genannt.
Durch die fast komplette Zerstörung Helgolands am Ende des Krieges, erinnert wenig an das frühere Aussehen des Platzes der Bücherverbrennung. Die Kirche diente mir als Orientierungspunkt, da diese an selber Stelle wieder aufgebaut wurde.
Durch den Kontakt zur Bibliothekarin und auch zum Museumsdirektor ergibt sich dort hoffentlich die spätere Möglichkeit einer Öffentlichen Veranstaltung.
http://verbrannte-orte.de/helgoland

24.5. Schleswig
Von Helgoland ging es nach Schleswig. Dort traf ich mich mit einem Redakteur der Lokalzeitung auf dem Stadtfeld. Auch hier erinnern nur noch wenige Häuser an das frühere Aussehen des Platzes. Heute dient der Platz als Parkplatz und als Ort für Feste. Für mich war das Treffen mit dem Lokalredakteur besonders interessant, da der damalige Chefredakteur der Schleswiger Nachrichten federführend an der Organisation der Bücherverbrennung beteiligt war. Bis Anfang der 90er war es daher schwierig dieses Ereignis dort überhaupt zu thematisieren. Um so schöner das es jetzt einen Artikel über das Projekt gab und ich historisches Material aus den Archiven der Zeitung bekomme.
https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/spurensuche-mit-der-kamera-id19935841.html
http://verbrannte-orte.de/schleswig

25.5. Flensburg
Dritte Etappe meiner Tour war Flensburg. Dort traf ich mich mit einem Redakteur des Offenen Kanals sowie einen Journalisten und Historiker der viel zu den Bücherverbrennung gearbeitet hat. Der Historiker konnte viel zu den lokalen Gegebenheiten erzählen und machte das ganze Ereignis greifbarer. Der Redakteur des OK filmte kräftig drauf los und entstanden ist eine schöner kurzer Bericht. In Flensburg fanden an 2 Orten Bücherverbrennungen statt. Zu beiden Plätzen stellt der Historiker dem Projekt einen Hintergrundtext und Historisches Material zur Verfügung.
Hier noch der Link zum Beitrag des OK ab Min 4:36  https://www.youtube.com/watch?v=F3ny6ASK5SE
http://verbrannte-orte.de/flensburg

26.5. Lübeck
Am morgen bin ich von Flensburg nach Lübeck gefahren. Dies ist einer kleiner Schlenker in der Rundreise, der auf den ersten Blick keinen Sinn macht. Allerdings fand die Bücherverbrennung in Lübeck am 26.5.1933 statt und ich wollte die Gelegenheit nutzen genau 85 Jahre später meine Fotos zu machen. Um so größer war der Schreck als ich am Buniamshof ankam. Dort fand das ganze Wochenende ein Leichtaltethikfest statt und es war eine Menge Betrieb. Außerdem ist der Sportplatz eingezäuntes Privatgelände und ich bekam vom Platzwart keine Erlaubnis dort zu fotografieren. Zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass er sehr nett war, aber sehr strikte Anweisung aus dem Rathaus hat.
Nachdem ich mich ein wenig umgeguckt hatte beschloss ich Abends wieder zu kommen und aus dem nicht umzäunten Bereich heraus zu fotografieren. So hatte ich also einen kleinen Urlaubstag in Lübeck, welcher sehr erholsam war. Ich schlenderte durch die schöne Altstadt, entfernte eine paar Aufkleber der Identitären und aß in einem kleinem Kaffee eine sehr leckere Waffel. Abends ging es wieder zu Buniamshof und ich machte einige schöne Fotos.
http://verbrannte-orte.de/luebeck

27.5. Rendsburg
Auch in Rendsburg war auf dem Paradeplatz einiges los. Ein Deutsch-Dänisches Stadtfest bevölkerte den ganzen Platz. Auch hier musste ich also wieder bis zum Abend warten. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Besuch im Jüdischen Museum. Ein sehr bewegender und berührende Besuch, den ich nur weiter empfehlen kann. Im Vorfeld hatte ich mit dem Direktor des Museums Kontakt und eine zukünftige Veranstaltung ist in Planung. So ließ ich ein paar Postkarten und eine Projektbeschreibung für ihn da und ging wieder Richtung Paradeplatz. Das Fest war im Abklingen und so machte ich meine Großformataufnahmen. Das Panorama fotografierte ich erst am nächsten Morgen.  Besonders an Rendsburg war das große Interesse der PassantInnen. Ich bin es gewöhnt, dass ich immer mal wieder gefragt werde was ich da tue, in Rendsburg kamen aber direkt mehrere Leute auf mich zu und es ergaben sich einige nette längere Gespräche.
http://verbrannte-orte.de/rendsburg

28.5. Kiel
Nachdem ich das Panorama in Rendsburg fotografiert hatte ging es nach Kiel. Dort hatte ich im Vorfeld mit dem Runden Tisch gegen Rassismus Kontakt aufgenommen und sie hatten eine Veranstaltung an der Uni vorbereitet. Am Wilhelmplatz in Kiel traf ich mich also mit zweien vom Runden Tische, mit dabei war auch mein Kontakt in der Rosa Luxemburg Stiftung. Ich machte meine Fotos und am Nachmittag gingen wir gemeinsam in ein Kaffee an der Uni. Viele nette und spannende Gespräche bestimmten den Tag. Die Veranstaltung am Abend fiel leider ins legendäre Sommerloch. Draußen waren 26° und niemand wollte in der Uni im Hörsaal sitzen. Wir nutzten also die Gelegenheit zum Austausch über das Projekt im kleinen Kreis und überlegten wie eine Veranstaltung nächstes Jahr aussehen könnte.
Abends gingen wir noch ins Lokal und ließen den schönen Tag ausklingen.
http://verbrannte-orte.de/kiel

Jetzt folgte eine kleine Unterbrechung der Rundreise. Der Onlineatlas ist für mich in vielen Punkten ein ehrenamtliches Projekt. Die Projektentwicklung und viele Veranstaltungen führe ich ehrenamtlich durch. Für die Rundreisen versuche ich Förderungen zu akquirieren um mir und anderen eine Aufwandsentschädigung auszahlen zu können. Dies bringt es mit sich, das ich noch andere Jobs habe, so zum Beispiel die Erlebnispädagogik mit Kindern und Jugendlichen. Die nächsten 3 Tage war ich in Plön und habe dort ein Teamtraining mit einer 7 Klasse gemacht. Mehr Infos zu diesem Bereich meiner Arbeit findet ihr auf: http://erleben-leben.org

1.6. Eutin
Nach drei Tagen in Plön ging es am 1.6. Morgens nach Eutin. Dort traf ich mich mit einer Lokalredakteurin der Eutiner Zeitung auf dem Festplatz am Vogelberg. Der Artikel ist hier zu finden: http://www.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Bilder-gegen-das-Vergessen
Nach der Veröffentlichung des Artikels meldete sich ein Mitglied des Eutiner Bürgervereins, welche sich mit der Eutiner Bücherverbrennung beschäftigt hatte und merkte an, dass der frühere Festplatz wohl doch woanders war. Auch dies ist wieder ein interessanter Kontakt und Beweis wie wichtig die Veröffentlichungen in den Lokalzeitungen sind. Eutin werde ich wohl nochmal besuchen.
http://verbrannte-orte.de/eutin

Alles in Allem eine sehr spannende Zeit mit vielen Interessanten und Kontakten. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Mitte August im Atlas zu sehen sein.
Vielen Dank nochmal an alle UnterstützerInnen vor Ort sowie an die Rosa Luxemburg Stiftung und den Landesbeauftragten für politische Bildung.

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