Newsletter Oktober 2019

Newsletter Oktober 2019

Liebe Interessierte des Projektes “ Verbrannte Orte“,

kurz vor der Frankfurter Buchmesse wollen wir euch mit diesem Newsletter über folgende Themen informieren:

  • Neue Orte der NS Bücherverbrennungen im Onlineatlas
  • Berichte von Veranstaltungen, Vorträgen, Ausstellungen
  • Buchmesse Frankfurt
  • Förderantrag „Demokratie leben“
  • Recherchereise Thüringen

     

Neue Orte im Onlineatlas:

Im Rahmen einer Promotionsarbeit ist eine Historikerin, bei Archivrecherchen, auf 9 Orte der NS Bücherverbrennungen gestoßen, welche uns vorher nicht bekannt waren. Alle Orte befinden sich in der Pfalz. Diese Form der Unterstützung ist sehr hilfreich, da so die Lücken im Wissen über die Verbreitung der Bücherverbrennungen von 1933 weiter geschlossen werden können.

Hier eine kurze Übersicht der neuen Orte:

Weisenheim am Sande, 8. Mai 1933, auf dem damaligen „Adolf Hitler Platz“, nach dem Umzug durch den Ort wurden bei einer Kundgebung der HJ „als Zeichen der Vernichtung des Marxismus“, marxistische Bücher verbrannt.

https://verbrannte-orte.de/weisenheim-am-sande

Wachenheim, 6. Mai 1933, Marktplatz, bei einer Feier der HJ, des Jungvolks und anderer Jugendverbände wurden Bücher und Zeitschriften, „die zur moralischen Vernichtung“ der Jugend beitragen, verbrannt.

https://verbrannte-orte.de/wachenheim

Bad Dürkheim, 7. Mai 1933, Schloßplatz, Unter dem Motto „ Nie wieder Marxismus“ hielt die Hitlerjugend auf dem Schloßplatz eine Kundgebung ab. Dabei wurde marxistische Literatur verbrannt.

https://verbrannte-orte.de/bad-dürkheim

Oppau-Ludwigshafen, 15. Mai 1933, auf dem damaligen Marktplatz, im Rahmen einer Jugendkundgebung fand eine Verbrennung „antideutscher Literatur“ statt.

https://verbrannte-orte.de/oppau

Bellheim, 15. Mai 1933, ehemaliger Sportplatz der Freien Turnerschaft, Verbrennung von über 100 marxistischen Büchern und Zeitschriften durch die Hitlerjugend.

https://verbrannte-orte.de/bellheim

Kandel, 13. Mai 1933, heutiger Marktplatz, die HJ und die SA verbrannten an dem Ort, anläßlich einer Kundgebung gegen „Schmutz- und Schundliteratur“, eine „große Menge“ an Literatur und Fahnen.

https://verbrannte-orte.de/kandel

Albersweiler, 19. Mai 1933, auf dem damaligen Sportplatz, die HJ verbrannte „Schundliteratur und schwarz-rot-goldene Fahnen“. Die Aktion wurde durch das plötzliche Ertönen von „marxistischen Kampf- und Freiheitsrufen“ gestört.

https://verbrannte-orte.de/albersweiler

Annweiler, 8. Mai 1933, Rathausplatz, „ In Anwesenheit einer großen Zuschauermenge“ fand die Verbrennung der, aus der Stadtbücherei entfernten, Literatur statt. Verbrannte-orte.de/Annweiler

https://verbrannte-orte.de/annweiler

Pirmasens, 9. Mai 1933, Exerzierplatz, anlässlich des Heimattages wurden während einer Kundgebung „Sozialistische und sowjetische Fahnen und Schundschriften sozialistisch-marxistischen Inhalts“ verbrannt.

https://verbrannte-orte.de/pirmasens

 

Veranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen:

Seit dem letzten Newsletter waren wir viel unterwegs, um über unser Gedenkprojekt zu berichten.

Am 13. Juni 2019 waren wir für einen Vortrag von der Galerie „Olga Benario“, in Berlin eingeladen. Die Galerie ist ein kleines unkommerzielles Projekt, welches von Privatpersonen ehrenamtlich und mit viel Engagement getragen wird. Unser Vortrag fand im Rahmen der Ausstellung „ Berliner Bibliotheken im Nationalsozialismus“ statt.

Am 24. Juni 2019 wurden eine Ausstellung, mit 31 Fotografien der „Verbrannten Orte“, in Neu Isenburg im Rathaus eröffnet. Die Ausstellung wurde für drei Wochen gezeigt und war als Kooperation des Stadtarchivs, der Seminar- und Gedenkstätte Bertha-Pappenheim-Haus und der Bertha-Pappenheim-Initiative vorbereitet worden. Wir waren für die Eröffnung und den Aufbau eingeladen. Schon nach der Buchmesse in Frankfurt 2018 hatte sich mit den Initiatorinnen aus Neu Isenburg ein intensiver Kontakt entwickelt, der dann in die Umsetzung der Ausstellung gemündet ist. Die Initiatorinnen haben auch einen Hintergrundtext für den Platz der Bücherverbrennung in Neu Isenburg beigetragen. Im Rahmen des Aufenthalts in Neu Isenburg haben wir den dortigen Platz der Bücherverbrennung fotografiert.

Am 26. Juni 2019 waren wir zu einer Vortragsveranstaltung über das Projekt von der Deutschen Nationalbibliothek nach Leipzig eingeladen. Die Einladung einer solchen Institution war für uns natürlich etwas Besonderes. Im Rahmen der Jüdischen Woche in Leipzig fand unsere Veranstaltung gemeinsam mit der Leiterin des Exilarchivs der Deutschen Nationalbibliothek statt.

Auch dieser Kontakt war auf einer der Buchmessen entstanden, wir hatten wieder die Gelegenheit die Projektarbeit einem breiten Publikum vorzustellen und den Austausch über weitere Kooperationen zu führen.

Vom 27. bis 29. Juni waren wir als Teilnehmer auf dem bundesweiten Gedenkstättenseminar in Arolsen. Für uns war es eine spannende Veranstaltung, mit sehr vielen neuen Informationen und tollen Begegnungen. Wir haben viele neue Kontakte geknüpft und konnten unser Projekt bekannter machen. Sehr spannend war auch das Begleitprogramm mit Führungen durch die Arolsen Archives.

 

Buchmesse Frankfurt:

Auch in diesem Jahr haben wir wieder die Gelegenheit das Projekt auf der Buchmesse in Frankfurt zu präsentieren. Unseren Stand findet ihr in der Halle 3.1. Stand G92. Wie im letzten Jahr, werden wir wieder eine Auswahl der Fotografien zeigen. Darüber hinaus findet ihr bei uns einen Computer, wo ihr euch den Onlineatlas anschauen könnt und natürlich haben wir auch wieder vielfältiges Informationsmaterial, wie Postkarten, Flyer und Plakate dabei. Auch in diesem Jahr ist wieder unsere Leseecke mit dabei, mit ausgewählter Literatur zum Nationalsozialismus und den Bücherverbrennungen. Die Teilnahme wurde uns durch die erneute Unterstützung des Börsenverein des Deutschen Buchhandels ermöglicht.

Förderantrag „Demokratie leben“

Im Frühsommer wurde das Interessenbekundungsverfahren für eine 2. Förderperiode des Bundesprogramm „Demokratie leben“ eröffnet. Um die Nutzung des Onlineatlas zu erweitern und zu verbessern, entschlossen wir uns daran teilzunehmen, um Bildungsmaterial sowie die Module einer Leih- und Wanderausstellung zu entwickeln. Wir haben mit hohem Engagement und erheblichen Zeitaufwand an diesen Antrag gearbeitet der bis zum 5. Juli eingereicht werden musste. Die nötigen unterstützenden Stellungnahmen haben wir von einigen namhaften Institutionen erhalten.

Leider waren unsere Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt. In der letzten Woche erreichte uns die Absage.

Nichtsdestotrotz sind wir froh, diesen Antrag geschrieben zu haben, wir konnten doch so unsere Visionen und Ideen für die nächsten 5 Jahre entwickeln und ausformulieren. Für uns heißt es nun alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu finden.

Recherchereise Thüringen

Eigentlich hatten wir für Dezember unsere Recherche- und Fotoreise nach Thüringen geplant. Durch den zeitintensiven Antrag für das „Demokratie Leben“ Programm, haben wir es in den letzten Monaten nicht geschafft eine tragfähige Finanzierung für diese Reise auf die Beine zu stellen. In der Hoffnung, dieses in den nächsten Monaten zu bewerkstelligen, verschieben wir die Reise auf Januar/Februar 2020. Natürlich halten wir euch hier auf dem Laufenden.

 

Das war es von uns. Wir freuen uns viele von euch auf der Buchmesse in Frankfurt an unserem Stand begrüßen zu dürfen.

Viele Grüße

Jan Schenck