Bericht zur Fotoreise nach Niedersachsen

Vom 13.-17.Dezember waren wir zu zweit in Niedersachsen unterwegs, um die dortigen Orte der NS Bücherverbrennungen für den Onlineatlas zu Dokumentieren.

Am 13. Dezember sind wir los gefahren. Der erste Stopp war in Braunschweig. Dort fanden 1933 insgesamt 2 Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten statt.
Die erste fand am 9. März 1933 vor dem Volksfreundhaus am Ackerhof statt. Das Haus, in dem sich eine Druckerei und die Büros von Gewerkschaften und SPD befanden, wurde von der SS gestürmt und die erbeuteten Schriftstücke wie Bücher und Flugblätter wurden auf dem Ackerhof verbrannt.
Bei der Stürmung wurde außerdem der Kaufmann Hans Salle erschossen.
http://verbrannte-orte.de/braunschweig-ackerhof

Die zweite Verbrennung fand am 10. Mai in unmittelbarer Nähe auf dem Schloßplatz statt. Dies war eine Verbrennung im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ und wurde von der NSDAP zusammen mit den Studenten durchgeführt.
http://verbrannte-orte.de/braunschweig-schlossplatz

Wir haben tagsüber an beiden Orten sowohl die Aufnahmen für die Panoramen, als auch die Großformatfotos gemacht. Schwierigkeiten machte der weihnachtliche Trubel in der Innenstadt, aber am Ende hatten wir alle benötigten Bilder beisammen.
Abends waren wir dann für eine Veranstaltung durch das Bündnis gegen Rechts in Braunschweig eingeladen. Leider war die Veranstaltung nicht sehr gut besucht so dass wir nur in kleiner Runde in der gemütlichen Location waren.

Am 14. Dezember ging es für uns weiter nach Hannover. Dort fand die Bücherverbrennung, im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ am 10. Mai 1933 an der Bismarksäule auf den Maschwiesen statt. Den Ort gibt es heute so nicht mehr. 1934 wurde die Bismarksäule abgebaut und auf den Maschwiesen entstand der Maschsee. Vor Ort wird durch mehrere Gedenk- und Informationstafeln gut informiert und es ergibt sich ein klares Bild über die historischen Ereignisse und Zusammenhänge.
http://verbrannte-orte.de/hannover
Am Maschsee war vormittags nicht sehr viel los, so dass wir die Fotos schnell im Kasten hatten. Wir nutzten den freien Nachmittag für einen Besuch im Sprengel Museum, welches jeden Freitag Freien Eintritt bietet. Außerdem haben sie ein spannende Sammlung mit Kunstwerken aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Am 15. Dezember fuhren wir nach Hann.Münden. Auch hier stand keine Veranstaltung für den Abend an. Ganz anders als in Hannover erinnert in Hann.Münden nichts an die dortige Bücherverbrennung. Als wir ankamen war gerade Wochenmarkt auf dem Platz wo am 10. Mai 1933 die Bücherverbrennung statt gefunden hatte. So schlenderten wir ein wenig durch die Stadt und besuchten eine Buchhandlung um evt. Literatur zur Geschichte der Stadt im Nationalsozialismus zu finden. Als der Markt vorüber war hatten wir die Fotos schnell im Kasten.
Die Bücherverbrennung in Hann.Münden fand erstaunlicherweise im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ statt, obwohl die Stadt keine Universität besitzt. 1933 gab es hier allerdings noch die Königliche Forsthochschule. Deren Studenten organisierten die Bücherverbrennung in Hann.Münden.
http://verbrannte-orte.de/hann-muenden

Die letzte Station unserer Reise war am 16. Dezember in Göttingen. Dort fand die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 auf dem Albaniplatz statt. Durchgeführt von den Göttinger Studenten im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“.
http://verbrannte-orte.de/goettingen
In Göttingen waren wir von der Gruppe f_act für eine Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ eingeladen.
Die Veranstaltung war deutlich besser besucht als in Braunschweig und so hörten ca. 20 Leute unseren Vortrag zum Projekt. Nach dem Vortrag folgte noch eine lebhafte Diskussion zum Thema Erinnerungskultur welche sich später mit den Veranstalter*innen in der Kneipe fortsetzte. Alles in Allem ein sehr netter Abend.
In Göttingen gab es auch einiges an Berichterstattung zum Projekt:
http://www.goettinger-tageblatt.de/Die-Region/Goettingen/Buecherverbrennung-in-Goettingen
https://www.hna.de/lokales/goettingen/goettingen-ort28741/buecherverbrennungen-nazis-verbrannte-orte-in-suedniedersachsen-10900762.html
http://www.stadtradio-goettingen.de/permalink_to?objid=e101919

Damit beenden wir unseren kleinen Bericht zur Niedersachsen Tour. Vielen Dank an die Amadeu-Antonio-Stiftung und die Wegrand Stiftung für die Finanzierung der Reise.
Vielen Dank an das Bündnis gegen Rechts in Braunschweig und die Gruppe f_act in Göttingen für das Einladen und Organisieren der Veranstaltungen.