Ein Bericht aus Hamburg

Ich war die letzten Tage in Hamburg unterwegs, um für Verbrannte Orte zu fotografieren.
Um euch auf dem laufenden zu halten kommt hier ein kleiner Bericht mit der ein oder anderen Zusatzinformationen.

Montag 15.1.
Am Montag habe ich morgens ein bisschen Organisatorisches erledigt. Einige Mails beantwortet, Kontakten in Hamburg geschrieben und mit der Leipziger Buchmesse telefoniert um Details zum Stand auf der Messe zu klären. Die Buchmesse ist für uns wirklich eine große Gelegenheit unser Projekt dort zu präsentieren und bekannter zu machen, bedeutet aber auch viel Arbeit. Nichtsdestotrotz, wir freuen uns sehr wir diese Möglichkeit haben.
Gegen Mittag bin ich zum Kaiser-Friedrich-Ufer in Hamburg-Eimsbüttel gefahren. Auf dem Weg ein kurzer Stop beim Fotofachgeschäft IPS dort in der Nähe um eine größere Speicherkarte zu kaufen und dann stand ich dort wo für mich mit dem Projekt alles begann. Am 7. Mai 2010 habe ich dort die ersten Großformataufnahmen gemacht, im Rahmen des Projekts „Ein Tag in Deutschland“ der Fotografenvereinigung Freelens. Die Idee das Projekt als Onlineatlas umzusetzen und mit den Panoramen zu arbeiten, kam erst 2 Jahr später. Am Montag also folgt nun das Panorama. Die Schulpausen und viele Spaziergänger, machen es etwas schwieriger die richtigen Momente zu finden, aber nach ca. 1,5 Stunden habe ich 2 Motive als Panorama im Kasten. Am Kaiser-Friedrich-Ufer fand die Bücherverbrennung am 15. Mai 1933 im Rahmen der „Aktion wider den undeutschen Geist“ statt. Dort gibt es ein Denkmal zur Erinnerung und jedes Jahr findet dort am 15. Mai eine Gedenkveranstaltung statt.
http://www.lese-zeichen-hamburg.de/
Direkt am Kaiser-Friedrich-Ufer befinden sich ein Gymnasium wo ich kurze Zeit zur Schule gegangen bin. Auch das ist für mich eine Verbindung zum Ort. Damals war mir die Geschichte unbekannt.
http://verbrannte-orte.de/hamburg-kaiser-friedrich-ufer
Weiter geht es zum Else-Rauch-Platz. Dort ist es leider zu viel Betrieb, so dass ich mich zum Aufwärmen in ein Cafe setze und beschließe die Fotos auf Mittwoch zu verschieben.

Dienstag 16.1.
Bergedorf und Lohbrügge stehen für heute auf dem Programm. Mein Vater begleitet mich und ich freue mich, dass ich gefahren werde und natürlich über die Begleitung.
Als erstes geht es nach Bergedorf. Dort befindet sich auch heute noch ein Sportplatz, genau wie vor 85 Jahren. Ich mache 2 Panoramen und 2 Großformataufnahmen. Nach einem kurzen Gespräch mit einem Vereinsangehörigem des Sportplatzes finden wir auch die Gedenktafel welche 2010 dort angebracht wurde. Die Bergedorfer Bücherverbrennung fand im Rahmen des „Tag der Jugend“ am 24. Juni 1933 statt. Ein Fackelzug mit 3000 Menschen lief zum Sportplatz am Schulenbrooksweg. Dort wurde ein Scheiterhaufen mit 414 Büchern entzündet und die Werke vieler verfolgter Autor_innen den Flammen preis gegeben.
http://verbrannte-orte.de/hamburg-bergedorf

Von Bergedorf fahren wir weiter nach Lohbrügge. Dort fand auch am 24. Juni eine Bücherverbrennung statt. Auch hier ging es mit einem Fackelzug in die Boberger DÜnen. Der genaue Ort ist nicht bekannt, so entscheide ich mich in die Große Düne zu gehen und dort das Panorama zu machen. Im Hintergrund der Segelflugplatz welcher sich heute direkt neben der Düne befindet. Einige Spaziergängerinnen sind mit ihren Hunden unterwegs ansonsten ist es ruhig. Für mich ein besondere Ort, weil ich mir ausmalen kann wie damals diese Verbrennung statt gefunden hat. Gespenstisch!
Hier mache ich nur 1 Panorama weil ich mir sehr sicher mit dem Standort bin. Noch 3 Motive mit der Großformatkamera und dann geht es zum Auto zurück. Durchgefroren machen wir uns auf dem Weg nach Hause. Als wir im Auto sitzen fängt es an zu regnen. Glück gehabt.
http://verbrannte-orte.de/hamburg-lohbruegge

Mittwoch 17.1.
Beim Frühstück fängt es an zu schneien und so mache ich mir erst Mal etwas Gedanken zum Stand auf der Buchmesse. Vieles muss dafür geklärt und organisiert werden.
Gegen halb 11 lichtet sich das Wetter und wir fahren los. Auch heute ist mein Vater dabei. Am Else-Rauch-Platz angekommen ist gerade Schulpause und einige Jugendliche sind auf dem Platz. Als diese weg sind, mache ich das Panorama. Auch hier mache ich nur eins, da für mich der Standort klar ist. 2 Motive für die Großformataufnahmen fallen mir sofort ins Auge und so sind wir nach ca. 1 Stunde fertig. Direkt am Platz befindet sich ein kleines Cafe wo wir noch ein Kaffee trinken. Als wir uns mit dem Wirt unterhalten und ihm vom Projekt erzählen, klärt er uns auf wer Else Rauch war. Sie war Lehrerin an der Schule direkt am Platz und wurde von den Nationalsozialisten ins KZ deportiert, wo sie am 10.Mai 1942 ermordet wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Else_Rauch

Sicherlich ist euch aufgefallen das ein Ort nach den 3 Tagen fehlt. An der Stelle wo früher das Lübecker Torfeld war, habe ich schon 2010 Großformataufnahmen gemacht. Heute befindet sich dort eine riesige Kreuzung mit viel Verkehr und deswegen habe ich beschlossen dort im Frühjahr nochmal hinzufahren um möglichst früh am Tag ein Panorama mit weniger Verkehr zu machen.

Auf Betterplace könnt ihr für das Projekt spenden und euch so an den Kosten für die Fotoreise in Hamburg zu beteiligen.
https://www.betterplace.org/de/projects/59750-verbrannte-orte-onlineatlas-nationalsozialistischer-bucherverbrennungen